Nicht nur für Gläubige sehenswert
Das Kloster Wiblingen, eine ehemalige Benediktinerabtei, wurde 1093 von den Grafen Hartmann und Otto von Kirchberg gegründet. Es liegt südlich von Ulm und ist bekannt für seine beeindruckende barocke Architektur sowie seine historische Bedeutung. Bis zur Säkularisation im Jahr 1806 war es ein bedeutendes religiöses und kulturelles Zentrum.
Geschichte
Die Gründung des Klosters erfolgte aus religiösen Motiven der Stifter, die damit für ihr eigenes Seelenheil sorgen wollten. Die Benediktinerabtei wurde mit Mönchen aus dem Reformkloster St. Blasien besiedelt, und Werner von Ellerbach wurde zum ersten Abt ernannt. Bereits im Jahr 1098 erhielt das Kloster durch Papst Urban II. wichtige Privilegien, darunter die Freiheit von äußerer kirchlicher oder weltlicher Einflussnahme.
Im Mittelalter erlebte das Kloster eine wechselvolle Geschichte. Nach einer Blütezeit im 14. Jahrhundert folgte ein wirtschaftlicher und spiritueller Niedergang, der durch einen Brand im Jahr 1271 verschärft wurde. Erst durch Reformen im 15. Jahrhundert konnte das Kloster wieder an Bedeutung gewinnen. Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt es erneut schwere Schäden, doch im 18. Jahrhundert begann eine letzte Glanzzeit mit umfangreichen baulichen Neuerungen.





Architektur
Die heutige Klosteranlage entstand größtenteils im 18. Jahrhundert und ist ein herausragendes Beispiel barocker Baukunst mit Elementen des Frühklassizismus. Die symmetrische Anlage wird von der Klosterkirche St. Martin dominiert, die als Zentrum der gesamten Anlage dient. Der Neubau der Kirche begann 1772 unter Abt Roman Fehr und wurde nach Entwürfen von Johann Georg Specht begonnen, später jedoch von Januarius Zick vollendet. Die Kirche beeindruckt durch ihre monumentale Fassade, die jedoch unvollendet blieb, sowie durch den festlichen Innenraum mit grandiosen Deckenfresken und einer harmonischen Farbgestaltung in Weiß und Gold.
Ein weiteres architektonisches Highlight ist der barocke Bibliothekssaal, der als eines der bedeutendsten Beispiele süddeutschen Rokokos gilt. Mit seinen Fresken, Skulpturen und dem reich verzierten Dekor vermittelt er den Eindruck eines Festsaals und stellt ein Gesamtkunstwerk dar.
Kulturelle Bedeutung
Das Kloster Wiblingen war nicht nur ein Ort des Gebets, sondern auch ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Die Äbte waren mächtige Landesherren, deren Einfluss weit über die Region hinausreichte. Besonders die Kreuzreliquie, ein Partikel des Kreuzes Christi, verlieh dem Kloster spirituelle Bedeutung und zog Pilger an.
Nach der Säkularisation wurde das Kloster zunächst als Schloss genutzt und später in eine Kaserne umgewandelt. Heute beherbergt es ein Museum im Konventbau, das das Leben der Untertanen im Klosterstaat thematisiert.


Heutige Nutzung
Heute ist das Kloster Wiblingen eine beliebte Sehenswürdigkeit und ein Ort der Begegnung von Geschichte und Kultur. Die gut erhaltene Klosterkirche sowie die prachtvolle Bibliothek ziehen zahlreiche Besucher an. Das Museum bietet Einblicke in die Geschichte des Klosters und seiner Bewohner, während kulturelle Veranstaltungen die historischen Räume mit neuem Leben erfüllen.
Das Kloster Wiblingen ist somit nicht nur ein beeindruckendes Denkmal barocker Baukunst, sondern auch ein lebendiges Zeugnis der religiösen und kulturellen Geschichte Süddeutschlands.
Weiterführende Infos & Veranstaltungen auf der offiziellen Webseite des Kloster Wiblingen:
https://www.kloster-wiblingen.de