Wichtige Kulturstätte
Kloster Roggenburg ist ein ehemaliges Prämonstratenser-Kloster im bayerisch-schwäbischen Landkreis Neu-Ulm. Es gehört heute wieder zum Prämonstratenser-Orden und dient als geistliches Zentrum, Bildungsstätte und kulturelles Wahrzeichen der Region.
Gründung und Mittelalter
Das Kloster wurde im Jahr 1126 von Graf Bertold von Bibereck als Prämonstratenser-Chorherrenstift gegründet. Es war eines der ersten Prämonstratenserklöster im süddeutschen Raum. Die Prämonstratenser sind ein Orden, der 1120 vom heiligen Norbert von Xanten gegründet wurde und sich durch eine Kombination aus klösterlichem Leben und pastoraler Tätigkeit auszeichnet.
Im Mittelalter entwickelte sich Roggenburg zu einem wirtschaftlich und geistlich bedeutenden Zentrum in der Region. Das Kloster erhielt zahlreiche Stiftungen und Privilegien und besaß große Ländereien.
Blütezeit im Barock
Die größte Blütezeit erlebte Kloster Roggenburg im 18. Jahrhundert, insbesondere unter Abt Dominikus Schwaninger (reg. 1750–1787). In dieser Zeit wurden zahlreiche barocke Bauwerke errichtet, darunter die prächtige Klosterkirche. Die barocke Neugestaltung der Anlage wurde von namhaften Künstlern wie dem Baumeister Simpert Kraemer und dem Stuckateur Franz Xaver Feichtmayr umgesetzt.
Die Klosterkirche Mariä Himmelfahrt, die 1758 fertiggestellt wurde, zählt zu den schönsten Barockkirchen Bayerns. Ihre reichhaltige Ausstattung mit Stuck, Fresken und Altären spiegelt den prachtvollen Stil dieser Epoche wider.
Säkularisation und Auflösung
Wie viele andere Klöster wurde auch Roggenburg 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Der bayerische Staat übernahm die Klostergebäude, die Ländereien wurden verkauft, und die Mönche mussten das Kloster verlassen. Die Klosterkirche blieb jedoch als Pfarrkirche bestehen.
In den folgenden Jahrzehnten wurden Teile des Klosters für unterschiedliche Zwecke genutzt, darunter als Schule und landwirtschaftlicher Betrieb.
Wiederbelebung und heutige Nutzung
1982 wurde das Kloster erneut von Prämonstratensern besiedelt. Seitdem dient es als geistliches Zentrum mit klösterlichem Leben. Neben der seelsorgerischen Arbeit betreibt das Kloster heute ein Bildungszentrum, das sich mit Themen der Ökumene, Spiritualität und Umweltbildung beschäftigt.
Das Kloster beherbergt zudem ein modernes Bildungs- und Begegnungszentrum sowie ein Kulturzentrum mit regelmäßigen Konzerten und Ausstellungen.
Klostergebäude
Die Klosterkirche ist das beeindruckendste Bauwerk des Klosters. Die barocke Kirche wurde zwischen 1752 und 1758 erbaut und zeichnet sich durch ihre opulente Innenausstattung aus. Besonders bemerkenswert sind:
- Die Fresken von Januarius Zick, die biblische und theologische Themen darstellen
- Die kunstvollen Altäre und Kanzel im Rokoko-Stil
- Die beeindruckende Orgel mit barocker Prospektgestaltung
Klostergebäude
Die Klosteranlage umfasst mehrere barocke Gebäude, darunter das ehemalige Konventgebäude und den Wirtschaftshof. Viele dieser Gebäude wurden nach der Säkularisation unterschiedlich genutzt, sind aber heute wieder im Besitz des Klosters.
Klostergarten und Umgebung
Das Kloster liegt in einer idyllischen Landschaft und verfügt über einen schönen Klostergarten. Zudem gibt es in der Umgebung zahlreiche Wander- und Radwege, die zu einem Besuch einladen.
Kloster Roggenburg ist ein faszinierendes Beispiel für barocke Klosterarchitektur und geistliches Leben. Trotz der Säkularisation konnte das Kloster seine kulturelle und spirituelle Bedeutung bewahren und ist heute ein lebendiges Zentrum für Bildung, Kultur und Glauben.
Weiterführende Infos & Veranstaltungen auf der offiziellen Webseite des Kloster Roggenburg:
https://www.kloster-roggenburg.de